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Grüezi 4.0

Wie virtuell wird die Eventbranche

In Zeiten von behördlich angeordneten Veranstaltungsverboten erleben alternative Begegnungsmöglichkeiten eine nie dagewesene Aufmerksamkeit. Die Kraft des Händeschüttelns muss nun zwangsweise auf die virtuelle Ebene übertragen werden. Sind wir dazu überhaupt in der Lage und was wären die Langzeitfolgen?

von Christian Stoob
Bereits der Urmensch glänzte mit Raffinesse. Mit der Erfindung des Feuers überbrückte er fehlende Kommunikationswege mittels Rauchzeichen. Der moderne Homo Sapiens hat es zum Glück ein bisschen einfacher. Der Einsatz von digitaler Technik lässt keine Wünsche offen. Eine reale Begegnung erübrigt sich, der Besuch einer Publikumsmesse ebenso. Digital Natives brauchen ihr Zuhause nicht zu verlassen, zu verlockend ist das riesige Angebot der Onlinewelt. Dort ist der Produkte-Vergleich in sekundenschnelle per Mausklick erledigt.

Und die alte Garde?

Digital Immigrants staunen über die Abwanderung in die digitale Erlebniswelt. Sie wurden geprägt durch die Kultur des Handshakes. Ein Messebesuch mit echten Menschen bietet die grössere Chance auf Diskussion. Allerdings ist das Geschäftsmodell der Veranstaltungsbranche längst unter Druck geraten. Die Verkaufsumsätze sowie Besucherzahlen sind zurückgegangen. Die bisherigen Inszenierungen greifen nicht mehr. Die aufwendigen Bauten lohnen sich kaum noch und verpuffen bestenfalls als Erinnerungsfoto in der Daten-Cloud. Und nun drängt das aktuelle Veranstaltungsverbot die Entscheidungsträger zu einem noch schnelleren Umdenken. Neue Ideen sind gefragt.

Let’s get digital!

Digitale Angebote schiessen wie Pilze aus dem Boden. Der Musiker streamt seine Show live, der Lehrer betreut seine Schüler im E-Classroom und der CEO informiert seine Mitarbeiter mittels Videochat. Kommst Du nicht zu mir, komm ich zu Dir! Hauptsache wir kommunizieren und verlieren uns nicht aus den Augen. Smartphone sei Dank, jederzeit und überall. Wozu noch ins Kino gehen, wenn die Filmpremiere auf einem Streaming-Kanal läuft? Wozu sich über die Absage des Automobilsalons ärgern, wenn wir die Weltpremiere eines neuen Autos auch in einem virtuellen Cockpit miterleben können?

Die Natur als Vorbild

Der Motor des wirtschaftlichen Lebens benötigt umsatzgetrieben stets neues Benzin. Zu welchem Preis? Die schamlose Befriedigung der „keimfreien“ Konsumsucht in der virtuellen Welt stellt die Live-Com Branche vor eine Bewährungsprobe. Der klassische Marktplatz hat ausgedient. Aber gewinnt tatsächlich die Digitalisierung und mutiert die Gesellschaft zu unsozialen Wesen? Millennials haben die Welt eventuell mit Google Earth bereist, aber sie haben den Wind nicht erlebt, das Meersalz nicht geschmeckt und den Sand unter den Füssen nicht gespürt. Setzen wir den Fuss also weiterhin vor die Tür und tragen unseren Teil zum Fortschritt (nomen est omen) bei. Denn der Einsatz von Technik allein genügt nicht . Die virtuelle Welt kann nur im Zusammenspiel mit uns Menschen leben. Wir bestimmen, wie wir die technischen Dinge nutzen und anwenden. Wir sollten also auch nach Aufhebung der ausserordentlichen Lage erneut emsig ausschwärmen und mit kreativen Live-Erlebnissen face to face begeistern wollen. Eine Abkehr davon wäre fatal : „Keine Bienen mehr, keine
Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ (Zitat Albert Einstein, 1949)

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